Geld für Nichts
Eine experimentelle performative Forschung über den Wert des Geldes und des Nichts

nichts In meiner Arbeit zum Projekt ZERO, das sich mit dem Wert des Nichts auseinandersetzt, kristallisierte sich ein enges Verhältnis, ja fast eine Hassliebe, zwischen dem Wert des Geldes und des Nichts heraus. Das Geld und das Nichts haben bei näherer Betrachtung vieles gemeinsam:
  • Sie sind je nach Betrachtungsweise in ihrem Wert existentiell ambivalent.
  • Jeder Mensch misst sowohl dem Wert des Geldes und dem des Nichts gemäß seiner subjektiven Erfahrungen einen fiktiven Wert bei. 
  • Beide, sowohl das Geld, als auch das Nichts, sind in ihrem eigentlichen Wert nicht greifbar.
Hier drängt sich eine weitere Frage auf: Sind beide vielleicht nur ein Mittler für einen anderen höheren Wert?
  • Beide Werte verbinden sich z. B. in den Sätzen: „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ und „Ohne Moos nichts los“.
  • Über beide Themen kann man unerschöpflich reden.

Diese Gemeinsamkeiten habe ich mit der Aktion Geld für Nichts auf ihren Wahrheitsgehalt hin untersucht.

Die Aktion
Die Aktion Geld für Nichts fand an 4 Werktagen im November 2004 statt. Die öffentlichen Orte, wie Banken, Fußgängerzonen und Kaufhäuser, waren als Raum Teil der Aktion, sind sie doch alle durch die Kommunikation über Geld und/oder den Tausch von Geld für Waren bzw. Dienstleistungen geprägt. Damit die Aktion an diesen Orten von außen als ein künstlerischer Akt begriffen werden konnte, trug ich ein T-Shirt mit der Aufschrift: Geld für Nichts. 

Geld für Nichts 1 Geld für Nichts 2 Geld für Nichts 3

Ich wollte anstatt den Tausch von Geld für Waren das genaue Gegenteil in einer performativen Handlung umsetzen. 
Ich hatte mir zum Ziel gesetzt, 100 ein Euro-Münzen an Passanten für Nichts zu verteilen. Dieses Geld war natürlich nicht mein privates Geld, sondern im weitesten Sinne Steuergelder, die ich wieder unter das Volk brachte. Ich rechnete mit einer Arbeitzeit von ca. 10 Stunden. Daraus wurde allerdings nichts. Ich benötigte genau 19, 5 Stunden, quasi die Wochenarbeitszeit einer halben Stelle. Woraus sich eine neue Fragestellung für eine andere Aktion ergab: Was geht schneller, 100 ein Euro-Münzen an Passanten zu verteilen oder 100 Euro von Passanten ein zu sammeln? Der größte Teil der Passanten war sehr misstrauisch, selbst bei intensiver Überzeugungsarbeit, dass sie den Euro ohne Bedingungen mitnehmen können, gingen viele ohne das Geld weiter. Die Menschen, die den Euro annahmen, stellten natürlicherweise Fragen, die ich versuchte, zu beantworten. Aber auch ich stellte Fragen, die ich vorher auf einem Fragebogen fixierte. Diese Fragen bezogen sich auf den Wert des Geldes und des Nichts. 

Die Auswertung und Präsentation
Nach der Performance wurden die Antworten ausgewertet und die (künstlerische) Statistik auf einer Veranstaltung am Ende der uniartmünster, nebst einer kurzen Videodokumentation, präsentiert. Ab August 2005 ist zur uniartmünster zum Thema GeldWert ein Katalog erschienen, in der die Auswertung dokumentiert ist.